Projektstart „Wissensrallye Maximilian go“

März 2019
Projektstart Medienpädagogisches Programm
Wissensrallye „Maximilian go“

Anlässlich des 500. Todestages von Kaiser Maximilian I. rief das Land Tirol das Jahr 2019 zum „Maximilianjahr“ aus.  Der „letzte Ritter“ sollte mit einem umfassenden Bildungs-, Kultur- und Veranstaltungsprogramm gewürdigt werden, das nicht nur den Blick in die Geschichte, sondern auch in die Gegenwart und Zukunft wirft. Dipl.-Päd. Ferdinand Radl vom Medienzentrum des Tiroler Bildungsinstituts war daher Anfang 2018 auf der Suche nach Kooperationspartnern in Hall, Innsbruck und Kufstein für das Projekt mit damaligen Arbeitstitel „Maximilian Rallyes“ um gemeinsam für Tiroler Schulen einen zeitgemäßen Beitrag für das Maximilianjahr 2019 leisten. Das Team des Medienzentrum hat eine neue Möglichkeit konzipiert, Geschichte spannend, interaktiv und altersgerecht aufzubereiten: eine Wissensrallye mittels Tablets.

Die zwei bis vier Kilometer langen Rundgänge in den jeweiligen Stadtkernen, die die SchülerInnen mit Tablets in Kleingruppen zu absolvieren haben, sind so gestaltet, dass sie sich entlang von „Maximilian Geschichten-Erzählenden“ Gebäuden und Orten bewegen. Jede Rallye ist in eine stringente, kindgerechte Abenteuergeschichte verpackt, welche durch digitale Unterstützung multimedial „angereichert“ wird. Für das Drehbuch der Geschichte konnte Kinderbuchautor Thomas Brezina gewonnen werden.

Die angedachten thematischen Schwerpunkte für das Maximilian Projekt sind: eine mittelalterliche Festung (Kufstein), eine mittelalterliche Stadt (Hall) und Leben am und um den mittelalterlichen Hof (Innsbruck). Alle Informationen sind in Form von Rätsel- und Quizfragen bzw. Aufgaben verpackt. Die TeilnehmerInnen werden auf dieser Tour über kleine Videos direkt von Maximilian (gespielt von Thomas Lackner) angesprochen, aber auch von einem Landsknecht (gespielt von Hans Danner), einer Bewohnerin Kufsteins (gespielt von Carmen Gratl), einem Hofnarren (Christof Habringer) und einer Fremdenführerin mit zu viel Fantasie (gespielt von Julia Strauhal).
Der Wettbewerbscharakter, das aktive Produzieren von Medien (Fotos, Videos, Audioaufnahmen) und das gemeinschaftliche Lösen von Aufgaben soll ein nachhaltiges, unterhaltsames „Bildungserlebnis“ schaffen, das auch über das Maximilianjahr hinaus angeboten werden kann. 

SchülerInnen der VS Hall beim Selfie
machen, 2019, Foto: Land Tirol/ Elisabeth Huldschiner.

Im Vorfeld findet eine technisch-thematische Einführung statt und hinterher wird eine Siegerermittlung anhand der gesammelten und dokumentierten Daten moderiert. Die Weiterleitung der entstandenen digitalen Medien an die LehrerInnen ermöglicht das nachhaltige Einsetzen derselben, um mit den SchülerInnen Portfolios, Plakate oder Hefteinträge zu gestalten und so den Vermittlungserfolg dokumentieren zu können. Alle Aktivitäten werden durch eine App protokolliert (zeitlich, inhaltlich & durch einen Punktestand) und können bei der anschließenden Zusammenschau ausgelesen und vergleichend dargestellt werden. Das erfolgreichste Team lässt sich dadurch sehr transparent bei Bedarf ermitteln. Abgesehen vom Wettbewerbscharakter bietet der gemeinsame Abschluss Nachhaltigkeit im Lernen durch das Revue passieren lassen des Erlebten und die Weitergabe der gemachten Medienaufnahmen. Das Konzept erlaubt eine ganzjährige, wetterunabhängige Durchführung des Programms.

Wir freuten uns sehr über die Anfrage bei diesem innovativen Vermittlungsprogramm als Trägerinstitution für Hall auftreten zu können. Neben der Durchführung und Abwicklung sowie der Koordination, waren wir auch an der Entwicklung und am Inhalt für die Haller Rallyes beteiligt. Zunächst standen Recherchen, intensive Vorarbeiten, diverse Arbeitssitzungen, Begehungen und Besprechungen mit allen Beteiligten auf der To Do Liste (nachzulesen im Jahresbericht 2018) damit die technische Umsetzung, Filmaufnahmen und Programmierung der Actionbound-App durch das Medienzentrum erfolgen konnte.
Zehn Tablets samt Zubehör sollten dann am 5. März 2019 ihren Weg nach Hall in die Stadtarchäologie finden um dort für die Rallyes startklar gemacht zu werden. Petra Seiwald und Katharina Partl, die für den Programmierung der Haller Rallye maßgeblich verantwortlich waren, trafen sich hierzu mit Mag. Alexandra Müller-Krassnitzer um die Handhabe der App zu erklären, den Ablauf der Rallyes zu besprechen aber auch um einen intensiven Probelauf durch die Haller Altstadt durchzuführen. Neben der Klärung von organisatorischen Fragen zeigte es sich, dass noch die eine oder Fragestellung abgeändert werden musste.

Generalprobe
Drei Tage später am 8. März war es dann soweit: Die SchülerInnen der 3. Klasse der Volksschule Kematen wurden eingeladen, um als erste Klasse die Wissensrallye „Maximilian go“ in Hall mit Titel „Der Schatz des Maximilian“ durchzuspielen. Diese Generalprobe sollte es ermöglichen etwaige Korrekturen oder Änderungen, die aus der Sicht der Kinder bzw. LehrerInnen und Begleitpersonen notwendig sind, aufzudecken. Nach einer Begrüßung im Innenhof nahmen die SchülerInnen in der Stadtarchäologie Hall ihre Plätze ein, um von Dipl.-Päd. Ferdinand Radl mittels einer PowerPoint-Präsentation eine technische Einführung zu erhalten: Um was geht es in dieser digitalen Schnitzeljagd, wie werden die Tablets benützt, welche Aufgaben warten…

Generalprobe Wissensrallye, Dipl.-Päd. Ferdinand Radl bei der technischen Einführung, 2019, Foto: Stadtarchäologie Hall i.T.

Dann starteten die Kinder in Kleingruppen mit ihren Begleitern jeweils im Drei-Minuten-Takt, um sich auf Schatzsuche zu begeben. Nach Abschluss der Rallye gab es noch eine Zusammenschau der erfüllten Aufgaben und eine Siegerprämierung. Das ehrliche Feedback von Klein und Groß ermöglichte es noch vor dem offiziellen Start am 24. April kleinere Probleme wie Videolautstärke und Angaben von Wegbeschreibungen umzuformulieren bzw. die Art der Siegerprämierung und den Gewinn zu überdenken.

Pressekonferenz
Um die Wissensrallyes in Hall, Innsbruck und Kufstein öffentlich bekannt zu machen, wurde nicht nur vorab kräftig Werbung gemacht und alle Tiroler Schulen angeschrieben, sondern Michael Kern, Fachbereichsleiter des Medienzentrums lud gemeinsam mit dem Büro für Öffentlichkeitsarbeit des Landes Tirol am 2. April 2019 zur Pressekonferenz in den Behaimsaal der Burg Hasegg ein. Kultur- und Bildungslandesrätin Beate Palfrader stellte dieses aufwendige Projekt, an dem neben dem Team des Medienzentrums unzählige Fachleute wie Autoren, Historiker, Stadtführer, Lehrer, Kulturvermittler, Museumsbetreiber, Vertreter des jeweiligen Stadtmarketings und Tourismusverbandes, Berater, Techniker, Schauspieler, Filmteams, Requisiteure, SchülerInnen, etc. beteiligt waren, vor: „Kinder und Jugendliche für einen Mann zu interessieren, der vor 500 Jahren gelebt hat, kann eine Herausforderung sein – das Tiroler Bildungsinstitut-Medienzentrum hat diese mit der digitalen Schnitzeljagd rund um Kaiser Maximilian hervorragend gemeistert“.

Pressekonferenz zur Wissensrallye, LRin Beate Palfrader (Mitte rechts) präsentierte gemeinsam mit v.re. Emanuel Präauer (Festung Kufstein), Michael Kern (Medienzentrum), Alexandra Müller- Krassnitzer (Stadtarchäologie Hall), Anna Engl (Landesmuseen) und Isabella Brandauer (Koordinatorin Maximilianjahr) sowie SchülerInnen der VS Hall die digitale Max-Rallye, 2019, Foto: Land Tirol/ Elisabeth Huldschiner.

Der für die Drehbücher verantwortliche Kinderbuchautor Thomas Brenzina konnte aus Termingründen leider nicht an der Konferenz teilnehmen, schickte aber Grüße mittels einer Videobotschaft und ließ auf diese Weise die vergangenen Arbeitsmonate Revue passieren. Die Vertreter der Partnerorganisationen Anna Engl MA BSc (Tiroler Landesmuseen), Mag. Emanuel Präauer (Festung Kufstein) und Mag. Alexandra Müller-Krassnitzer hatten die Gelegenheit darzulegen, warum man sich am Projekt beteiligt hat und was das Besondere an ihrer Rallye in der jeweiligen Stadt ist: Der Stadtarchäologie Hall als Forschungseinrichtung für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie liegt die Vermittlung der Haller Geschichte für ein jüngeres Publikum besonders am Herzen. Wir bieten seit über zehn Jahren sehr erfolgreich Schul- und Kinderprogramme an. Daher waren wir von dem Projekt „Wissensrallye Maximilian go“ sofort begeistert und freuen uns sehr als Kooperationspartner in Hall auftreten, an den Inhalten mitwirken und schlussendlich die Umsetzung der Programme übernehmen zu können.
In der über 700 Jahre langen Geschichte der Stadt Hall nimmt Kaiser Maximilian eine besondere Rolle ein. Einerseits war die Stadt für den Habsburger eine wichtige Geldquelle durch die Salzgewinnung, die Innschifffahrt und insbesondere die Münzprägung. Anderseits verweilte Maximilian selbst oft in der Stadt, die von seinem Einfluss profitierte. Man denke an den Ausbau der Burg Hasegg, in welcher er auch seine zweite Hochzeit mit der Mailänderin Bianca Maria Sforza vollzog. Auch die Wappenbesserung des Stadtwappens von 1501 durch die zwei gekrönten Löwen ist ihm zu verdanken. Auf kindgerechte und zugleich modern interaktive Weise werden durch das medienpädagogische Programm diese für Hall wichtigen historische Ereignisse verpackt. Der Berater und Hofnarr Maximilians Kunz von der Rosen aber auch der Kaiser selbst führen mittels kurzer Videosequenzen durch die Abenteuerrallye.

Hofnarr Kunz von der Rosen leitet mittels Quizfragen und Rätselaufgaben durch die Rallye, 2019, Foto: TVB Region Hall-Wattens, Gaby Holzer.

Diese beinhaltet aber nicht nur Rätsel- und Quizfragen zur Geschichte und zu Orten, die in Bezug zu Maximilian stehen. Das Besondere der Haller Rallye bilden Aufnahmen aus dem virtuellen Rundgang Hall360Tirol. In diesem versucht die Stadtarchäologie Hall seit einigen Jahren faszinierende 3-D Einblicke in Halls Vergangenheit zu ermöglichen. So können die Kinder durch einscannen eines QR Codes unter anderem das im 19. Jh. geschliffene Milsertor virtuell wieder auferstehen lassen. Ganz nach dem Motto „Der Schatz des Maximilian“ erhalten die Schulklassen nach dem Lösen aller Aufgaben einen Schatz, eine Münze mit Sonderprägung zum 500-jährigen Maximilian-Jubiläum, geprägt hier in der Burg Hasegg/Münze Hall.

Im Anschluss an die Pressekonferenz veranstaltete das Projektteam des Medienzentrums eine kleine Abschlussfeier, um allen „Danke sagen“ zu können, die an diesem umfangreichen Projekt mitgearbeitet haben. Bei diesem netten Ausklang konnte nochmal ein Rückblick auf die letzten arbeitsintensiven Monate gemacht werden, es fand ein reger Gedanken- und Erfahrungsaustausch statt und man spekulierte ein wenig auf die Zukunft: wie werden die Rallyes wohl von den Schulen angenommen, wie wird das Feedback sein, lässt sich das Programm auch für andere Gruppen bzw. Aktivitäten nützen wie etwa Kindergeburtstage etc.

Sticker und Münze mit dem Konterfei des Kaisers wartet als Siegerprämie, 2019, Foto: TVB Region Hall-Wattens, Gaby Holzer.

Durchführung der Rallyes in Hall
Der offizielle Startschuss für die Wissensrallye „Maximilian go“ sollte in allen drei Städten am 24. April 2019 erfolgen. Doch schon bereits vorab liefen bei uns die Telefonleitungen heiß, LehrerInnen wollten sich informieren, ihre Klassen anmelden, Termine vereinbaren. Dieses ca. zweieinhalbstündige wetterunabhängige Medienangebot beinhaltet eine medienpädagogische Einführung im Museum Stadtarchäologie Hall, das Bestreiten der Rallye in Kleingruppen mit Tablets durch die Altstadt von Hall, ein Erinnerungsfoto und eine abschließende Zusammenschau. Die App, über die das Vermittlungsprogramm läuft, bietet die Möglichkeit durch die Eingabe einer Emailadresse, dass die jeweilige Lehrperson die Daten, Videos und Fotos, die die Kinder auf ihrer Zeitreise produziert haben, im Anschluss der Rallye zugeschickt bekommt.

Caroline Posch MA begrüßt die TeilnehmerInnen zur Wissensrallye im Museum Stadtarchäologie Hall i.T., 2019, Foto: Stadtarchäologie Hall i.T.

Dieses medienpädagogische Angebot ist ausgerichtet für die 3. und 4. Klasse Volksschule, aber auch 1. Klassen der Sekundarstufe 1 können teilnehmen. Da die Erkundung in Kleingruppen (2 bis max. 5 Kinder) stattfindet, empfiehlt es sich, Begleitpersonen einzuplanen. Termine finden nur nach Vereinbarung statt, die Kosten liegen bei 3,00 EUR pro SchülerIn, die Begleitpersonen sind frei. Geplant war eine Durchführungsdauer bis 12. Oktober 2019 – dem feierlichen Abschlussdatum des Maximilian-Gedenkjahres. Bis zu diesem Datum konnten die Schulklassen auch bei einem Gewinnspiel mitmachen. Es galt durch die Teilnahme an allen drei Standorten einen Stempelpass zu füllen. Da wir über den 12. Oktober hinaus Anfragen erhalten haben, boten wir in Hall diese digitalen Schnitzeljagden bis Mitte Dezember an. Fast 800 SchülerInnen und ca. 200 LehrerInnen bzw. Begleitpersonen aus Absam, Baumkirchen, Fritzens, Fügen i.Z., Gnadenwald, Hall, Innsbruck, Kematen, Matrei am Brenner, Pill, Radfeld, Rinn, Schwaz, Terfens, Tulfes, Völs, Volders, Wattens, Weer und Zirl konnten wir im Zeitraum von April bis Dezember 2019 im Museum Stadtarchäologie Hall begrüßen. Aber nicht nur Schulklassen begaben sich auf Schatzsuche. Die Dekanatsjugend Prutz, die Sommerhortgruppe Wattens und der Schulverein Fröhlich buchten die Maximilian Rallye und erkundeten somit die Stadt Hall.

Kinder beim Lösen der Aufgaben, 2019, Foto: TVB Region Hall-Wattens, Gaby Holzer.

Eine Anfrage erfreute uns besonders: Mag. Gaby Holzer, verantwortlich für Marketing & Gästeinformation beim Tourismusverband Region Hall- Wattens, wollte einen Blogeintrag über die Wissensrallye „Maximilian go“ schreiben und hat dazu mit einer kleinen Gruppe von Kindern selbst die interaktive Rätseltour auf sich genommen. Wir bedanken uns herzlich für die tolle Bewerbung.

Kinder beim Lösen der Aufgaben, 2019, Foto: TVB Region Hall-Wattens, Gaby Holzer.

Nicht nur im direkten Feedback der Kinder und Erwachsenen bei der Siegerprämierung und gemeinsamen Schau der Selfies und Videos, sondern auch in unzähligen schriftlichen Rückmeldungen wird die Rallye in höchsten Tönen gelobt. Aufgrund dieses Erfolges haben wir uns bereits im Juli 2019 in Absprache mit dem Medienzentrum dazu entschlossen, die Wissensrallye als fixes Angebot in unser Vermittlungsprogramm aufzunehmen. Dazu konnten wir auch die Tiroler Kulturservicestelle als Projektpartner gewinnen. Da an allen drei Standorten Hall, Innsbruck und Kufstein hervorragende Buchungszahlen zu verzeichnen waren, kündigte das Medienzentrum des Landes Tirol an das Projekt bis Oktober 2020 zu verlängern.