Projekt „Hall360Tirol – eine virtuelle Zeitreise“ 2025

2025
Projekt 
„Hall360Tirol – eine virtuelle Zeitreise“

Archäologie, Ausgrabungen und spektakuläre Funde üben seit jeher eine besondere Faszination auf die Öffentlichkeit aus. In präziser, mühevoller und oftmals langwieriger Arbeit werden Überreste der Vergangenheit freigelegt, dokumentiert sowie Funde geborgen und restauriert. Viele Grabungsstätten können jedoch – nicht zuletzt aus Kostengründen – nicht dauerhaft erhalten bleiben. Nach Abschluss der Arbeiten müssen sie aus konservatorischen oder nutzungsbedingten Überlegungen wieder zugeschüttet werden oder modernen Bauvorhaben weichen.
Zurück bleibt häufig lediglich die wissenschaftliche Dokumentation in Fachpublikationen, die in der Regel einem spezialisierten Publikum vorbehalten ist. Zwar werden ausgewählte Funde restauriert und in Museen präsentiert, doch selbst bei bestmöglicher Ausstellungsgestaltung ist die ursprüngliche Einbettung in ihren Fundkontext für Besucher:innen meist nur mehr eingeschränkt nachvollziehbar.

Vor diesem Hintergrund entwickelte die Stadtarchäologie Hall in Tirol im Jahr 2014 den digitalen Stadtrundgang „Hall360Tirol – eine virtuelle Zeitreise“, der innovative, zeitgemäße Technologien nutzt. Grundlage des Projekts sind sphärische Projektionen von Rundumfotografien. Diese ermöglichen es, sich mittels eines internetfähigen Geräts – etwa Smartphone, Tablet oder PC – frei im Bild zu bewegen und Details zu erkunden. Durch Drehen und Zoomen entsteht ein eindrucksvolles Raumgefühl.
Das Besondere des Systems liegt jedoch in der Überblendung mit Visualisierungen aktueller Forschungsergebnisse. Diese bestehen beispielsweise aus Aufnahmen archäologischer Grabungen, Dokumentationen von Restaurierungsarbeiten oder Rekonstruktionen historischer Architektur. Per „Button“ kann am jeweiligen Standpunkt ein sogenannter Zeitsprung aktiviert werden: Das aktuelle Bild wird durch eine historische Ansicht oder eine wissenschaftliche Rekonstruktion ersetzt. Ergänzend lassen sich schriftliche und bildliche Zusatzinformationen einblenden.
Einige Stationen verfügen über mehrere solcher Zeitsprünge und eröffnen damit vielfältige Möglichkeiten, sich vertiefend mit den historischen Inhalten auseinanderzusetzen. Auf vielen Geräten ist zudem ein Gyro-Effekt verfügbar: Wird das Gerät bewegt, folgt das Bild der Bewegung und verstärkt so das immersive Erlebnis.
Der digitale archäologische Stadtrundgang durch die Vergangenheit von Hall in Tirol richtet sich an archäologisch, historisch, kulturell und kunstgeschichtlich Interessierte aller Altersgruppen – sowohl Erwachsene als auch Kinder. Er kann individuell und eigenständig erkundet oder auf Anfrage als geführter Rundgang, etwa für Schulklassen, gebucht werden. Seit seiner Einführung wird das Projekt regelmäßig im Rahmen verschiedener Veranstaltungen präsentiert und kontinuierlich um neue Stationen erweitert.

Vorarbeiten zur Station Schneiderkirche
Die Arbeiten am Projekt „Hall360Tirol – eine virtuelle Zeitreise“ konzentrierten sich im Jahr 2025 auf die neue Station Schneiderkirche. Die Grabungskampagnen der Jahre 2022 bis 2024 wurden genutzt, um den jeweils aktuellen Stand der archäologischen Untersuchungen kontinuierlich zu dokumentieren.
Mit dem darunterliegenden, mehrstöckigen mittelalterlichen Haus stellt die Schneiderkirche eine bedeutende Neuentdeckung in der Haller Altstadt dar und zählt zu den wichtigsten archäologischen Objekten der Stadt. Die über drei Jahre öffentlich begleitete Ausgrabung brachte neben dem Wiederauffinden der gotischen Liebfrauenkapelle ein seit über 600 Jahren unberührtes Haus, ein bislang nicht vergleichbares Beinhaus sowie bedeutende gotische Wandmalereien zutage.
360-Grad-Aufnahmen während der Grabungskampagnen, vertiefende Recherchen sowie inhaltliche Vorbereitungen standen 2024 und 2025 auf der To-do-Liste, damit im Laufe des Jahres 2026 die 18. Station veröffentlicht werden kann.

Blick auf die Fresken in der Schneiderkirche, Foto: Stadtarchäologie Hall i.T.