Projekt „Hall360Tirol – eine virtuelle Zeitreise“ 2024

2024
Projekt 
„Hall360Tirol – eine virtuelle Zeitreise“

Archäologie, Ausgrabungen und spektakuläre Funde üben seit jeher eine Faszination auf die Öffentlichkeit aus. In exakter, mühevoller und langwieriger Arbeit werden Überreste der Vergangenheit freigelegt, dokumentiert und Funde geborgen und restauriert. Ein Großteil der Ausgrabungsplätze kann jedoch vielfach aus Kostengründen nicht dauerhaft erhalten bleiben, sondern muss nach Abschluss der Arbeiten aus konservatorischen oder Nutzungsüberlegungen wieder zugeschüttet werden oder modernen Bauvorhaben Platz machen. Allein die Dokumentation in Fachpublikationen, die zumeist auf ein abgegrenztes Fachpublikum beschränkt ist, bleibt davon übrig. Ausgewählte Funde werden zwar restauriert in Museen ausgestellt, eine für Besucher:innen klar ersichtliche Verbindung mit dem ursprünglichen Kontext ihrer Auffindung ist allerdings auch bei bestmöglicher Präsentation nur noch schwer gegeben.

Die Stadtarchäologie Hall i. T. hat daher 2014 den Stadtrundgang „Hall360Tirol – eine virtuelle Zeitreise“ entwickelt, der zeitgemäße innovative Entwicklungen nutzt. Grundsätzlich werden sphärische Projektionen von Rundumfotografien verwendet. Sie gestatten es, mittels eines internetfähigen Gerätes (Smartphone, Tablet, PC usw.), sich in diesem Bild zu bewegen und es näher zu erforschen. Durch Drehen und Zoomen entsteht ein gewisses Raumgefühl. Das Besondere an diesem System ist aber die Überblendung mit der Visualisierung aktueller Forschungsergebnisse. Das geschieht in Form von Aufnahmen, die z. B. während archäologischer Grabungen gemacht wurden oder von Gebäuderestaurierungen oder Rekonstruktionen von historischer Architektur. Über einen „Button“ wird das Bild am aktiven Standpunkt durch ein anderes ersetzt, das die entsprechenden Inhalte aufweist. Zusätzlich sind diese „Zeitsprünge“ mit schriftlicher und bildlicher Information verknüpft, die auf Wunsch eingeblendet werden kann.

Manche Stationen besitzen mehrere Zeitsprünge. Dadurch erhalten die Betrachtenden zahlreiche Möglichkeiten, sich mit den historischen Inhalten zu beschäftigen. Bei vielen Geräten ist auch ein sogenannter Gyro-Effekt möglich. Wenn das Gerät bewegt wird, bewegt sich das Bild entsprechend mit. Der digitale archäologische Stadtrundgang durch Halls Vergangenheit ist für alle archäologisch, historisch, kulturell und kunstgeschichtlich Interessierten, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder geeignet. Er kann individuell auf eigene Faust erkundet, aber auch auf Anfrage als geführter Rundgang z.B. für Schulklassen gebucht werden. Seit der Entwicklung wurden auch diverse Veranstaltungen genutzt, um das Projekt vorzustellen bzw. den Ausbau mit neuen Stationen zu präsentieren.

Vorarbeiten zur Station Schneiderkirche
Die vergangenen Grabungskampagnen in der Schneiderkirche von 2022 bis 2024 wurden genutzt, um kontinuierlich den aktuellen Stand der Arbeiten zu dokumentieren. Dabei entstanden 360‑Grad-Aufnahmen, die künftig für die Hall360Tirol‑Station in der Schneiderkirche verwendet werden sollen.

Mit dem darunterliegenden, mehrstöckigen mittelalterlichen Haus ist sie eine bedeutende Neuentdeckung in der Haller Altstadt und zählt zu den wichtigsten archäologischen Objekten der Stadt. Die über drei Jahre öffentlich begleitete Ausgrabung brachte neben dem Wiederauffinden der gotischen Liebfrauenkapelle ein seit über 600 Jahren unberührtes Haus, ein bislang nicht vergleichbares Beinhaus sowie bedeutende gotische Wandmalereien zutage.

Blick auf die Ausgrabungen in der Schneiderkirche Hall i.T., Foto: Stadtarchäologie Hall i.T.