22. Jänner 2022
erHALLten. erforschen – erhalten – erzählen
Schneiderkapelle
Coronabedingt mussten zwei Veranstaltungen in deren Rahmen wir die Grabung Schneiderkapelle präsentieren wollten leider abgesagt werden. Im Zuge des Projekts „erHALLten. erforschen – erhalten – erzählen“ konnte die Grabungsbaustelle Schneiderkapelle schließlich dann am 22. Jänner 2022 – zwar unter damals noch sehr strengen Coronaregeln mit Voranmeldung, 2G Nachweis, reduzierter Gruppengrößen und Maskenpflicht geöffnet werden.

Seit dem Jahr 2015 macht die Stadtarchäologie Hall in Tirol herausragende Revitalisierungsprojekte in der Haller Altstadt für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Rahmen des Formats „erHALLten“ vermitteln Fachleute, Hausbesitzer und Planer durch Führungen und Präsentationen neue Erkenntnisse zur Vergangenheit und Visionen für die Zukunft von im Umbau befindlichen Objekten.
Die ehemalige Schneiderkapelle südlich der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus war 2021 im Rahmen einer Petrus-Canisius-Ausstellung erstmals öffentlich zugänglich. Besucher:innen blickten dabei auch fasziniert auf wiederentdeckte gotische Fresken und laufende Ausgrabungen. Die aktuelle Forschung ist für den Umbau des seit 1832 profanierten Gebäudes zum Kulturzentrum der Pfarre von entscheidender Bedeutung.
Anfang des 15. Jahrhunderts erbauten Hainrich Reichsneider und seine Frau Elspeth die Kapelle zu Unserer Lieben Frau, später Schneiderkapelle genannt. Spätestens ab 1411 verwaltete Elspeth die Stiftung mit ihrem zweiten Ehemann, Hans Sighart. Die beiden gründeten 1421 auch eine Bruderschaft zu dieser Kapelle. Sie spielte im öffentlichen Leben Halls eine große Rolle. 1597 ließ der Schneider und Bürger Wolfgang Prem die Kapelle renovieren. Vermutlich stammt von daher die Bezeichnung „Schneiderkirchlein“. Um 1830 beschreibt der Chronist Ignaz Mader ihre Ausstattung in groben Zügen. U. a. erwähnt er eine an die Kirchenwand gemalte Schneiderschere. Eine solche ist tatsächlich heute wieder zu sehen.
1832/33 wurde die Kapelle mit Anbauten zu einem Lagerraum, wovon sie selbst nur knapp die Hälfte einnimmt. Dabei trug man die Kapellenmauern teilweise ab. Nur die Südwand und Teile der Westwand blieben erhalten. Sie zeigen reichen Freskenschmuck, der von Übermalungen noch befreit werden muss. Was aber jetzt schon zu sehen ist, lässt bereits auf Großartiges schließen.
Die sichtbaren Fragmente weisen etwa in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Sie gliedern sich in drei Register. Das unterste nimmt ein durchlaufender Wandbehang ein, unterbrochen nur von einer Darstellung der Alexiuslegende. In der Mitte sind Heilige hinter einer Brüstung stehend oder als Brustbilder zu sehen. Im obersten Drittel dürften Stifter und die Bruderschaft dargestellt sein.
Mit der Renovierung dieser Fresken und Räumlichkeiten erhält Hall zweifellos ein neues Juwel, das viele Besucher anziehen wird. Die Grabungen haben aber noch mehr erbracht. So wurde die Kapelle in einem bestehenden, romanischen Gebäude errichtet, dessen Existenz bislang völlig unbekannt war. Es dürfte für die Stadtgeschichte von einiger Bedeutung sein. (siehe auch Beitrag Grabung Schneiderkapelle)
Angedacht war von 9:00 bis 13:00 Uhr jeweils im Halbstundentakt Führungen anzubieten, doch die Anfrage war so groß, dass wir nachmittags auch noch Termine eingeschoben haben.
Am 22. Jänner 2022 berichteten von 9:00 bis 13:00 Uhr und bei weiteren Zusatzterminen von 14:00 bis 16:00 Uhr halbstündlich Mag. Dr. Alexander Zanesco und die Restauratoren Dipl.-Rest. Jörg Riedel und Mag. Andreas Schretthauser von den Ergebnissen ihrer bisherigen Arbeit. Die Architekten Dipl.-Ing. Matthias Berger und Dipl.-Ing. Alexander Sunitsch präsentieren Entwürfe für den Umbau zum Kulturzentrum der Pfarre St. Nikolaus. Auch Pfarrer Dr. Jakob Patsch, Baumeister Ing. Dieter Geisler und Landeskonservator Dipl.-Ing. Walter Hauser gaben Auskünfte zum Grabungs- und Revitalisierungsobjekt Schneiderkapelle.

der Schneiderkapelle, Foto: Stadtarchäologie Hall i.T.