Architekturtage 2024 „geht’s noch?“

7. und 8. Juni 2024
Architekturtage 2024
„Geht´s noch? Planen und Bauen für eine Gesellschaft im Umbruch“

Am 7. und 8. Juni 2024 fanden die Architekturtage 2024 statt – die größte österreichweite Veranstaltung zu Architektur und Baukultur. Unter dem Motto „Geht’s noch? Planen und Bauen für eine Gesellschaft im Umbruch“ standen aktuelle Themen wie der Umgang mit Leerstand, die Umnutzung wertvoller Bausubstanz sowie Recycling und Upcycling im Mittelpunkt. In Tirol widmete sich das von aut. architektur und tirol organisierte Programm einem breiten Themenspektrum, das von Revitalisierungen über Anbauten und Aufstockungen bis hin zur Umnutzung leerstehender Strukturen reichte.

Am ersten Veranstaltungstag stand der historische Stadtkern von Hall in Tirol und dessen Aktivierung für neue Nutzungen im Zentrum. Zahlreiche Gebäude konnten bei stündlichen Kurzführungen gemeinsam mit den jeweils verantwortlichen Planer:innen besichtigt werden, darunter das Guarinonihaus, das Kontor Boutiquehotel, das Klockermuseum, die Lendwirtschaft, die ehemalige Schneiderkirche, die Neugestaltung des Altarraums der Pfarrkirche St. Nikolaus, das ehemalige Sommerhaus des Königlichen Damenstifts Hall, ein privater Wohnungsumbau sowie das Gasthaus Bretze.
Der Verein Stadtarchäologie Hall beteiligte sich an mehreren Schauplätzen:

Kontor Boutiquehotel
Das „Kontor“ ist eines von vielen historischen Gebäuden in der Haller Altstadt, die von der wirtschaftlichen Bedeutung der ehemaligen Salinenstadt zeugen. Großteils in Eigenregie wurde das ehemalige Handelshaus von den Inhaber:innen in ein kleines, aber feines Boutiquehotel umgewandelt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfuhren bei einer gemeinsamen Führung mit Ursula Jud und Dipl.-Ing. Walter Hauser, wie das Innere behutsam und mit viel Feingefühl revitalisiert wurde und wie Räume aus verschiedenen Epochen für neue Zwecke adaptiert werden konnten.

Architekturtage 2024, Führung Kontor Botiquehotel, Foto: Stadtarchäologie Hall i.T.

Ehemaliges Sommerhaus des Königlichen Damenstifts Hall
Von den bedeutenden Kunstschätzen des ehemaligen Haller Damenstifts ist nach dessen Säkularisation im 18. Jahrhundert vor Ort nur wenig erhalten geblieben. Umso mehr gilt es als Glücksfall, dass das im Stiftsgarten gelegene Sommerhaus mit seinem barocken Festsaal und den original erhaltenen Fresken von Kaspar Waldmann über drei Jahrhunderte hinweg nahezu unbeschadet überdauert hat. Im Rahmen der Architekturtage bot sich die seltene Gelegenheit, das sonst nicht öffentlich zugängliche Gebäude bei drei Führungen mit dem heutigen Inhaber Dr. Dr. Andreas Faistenberger zu besichtigen.

Architekturtage 2024, Führung ehemaliges Sommerhaus des Königlichen Damenstifts Hall, Foto: Stadtarchäologie Hall i.T.

Kulturraum Schneiderkirche
Die Entdeckung unter der inzwischen als Lagerraum genutzten ehemaligen Kapelle gilt als archäologische Sensation. Der freigelegte romanische Bau ist nahezu im Originalzustand erhalten und wird gemeinsam mit der im 15. Jahrhundert darüber errichteten Schneiderkapelle als Kulturraum der Pfarre zugänglich gemacht. Architekt Matthias Berger gab zusammen mit Mag. Dr. Alexander Zanesco Einblicke in die neuesten Grabungsergebnisse und die geplanten Schritte zum Umbau des wiederentdeckten Raums. 

Architekturtage 2024, Führung Schneiderkirche, Foto: Stadtarchäologie Hall i.T.

Guarinoni-Haus
Das Guarinonihaus zählt zu den bedeutendsten barocken Stadthäusern in der Altstadt von Hall in Tirol. Seine Baugeschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Nach vielen Jahren Leerstand soll das ehemalige Gerichtsgebäude umfassend saniert und als Büro- und Wohnhaus neu genutzt werden. Bei mehreren Führungen konnten Besucherinnen und Besucher mehr über die Geschichte des Hauses und die geplanten Maßnahmen erfahren, die in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt entwickelt wurden. Die Architekten Thomas Giner und Erich Wucherer erläuterten das Projekt und beantworteten Fragen. Zusätzlich gaben Dipl.-Ing. Walter Hauser und Mag. Dr. Alexander Zansco Einblicke in die Planungen.

Architekturtage 2024, Führung Guarinonihaus, Foto: Stadtarchäologie Hall i.T.

Am zweiten Veranstaltungstag konzentrierte sich das Programm auf Innsbruck und widmete sich vor allem der Frage, wie vorhandene Bausubstanz neu genutzt werden kann oder künftig genutzt werden könnte. Wie lässt sich der strukturelle Kern eines alten Gebäudes in die Gegenwart überführen? Was geschah mit den früheren Gewerbebauten entlang des ehemaligen Sillkanals? Welche Möglichkeiten bieten Sockelzonen, und wie kann im Dachgeschoß sinnvoll nachverdichtet werden? Welche Orte prägten die subkulturelle Geschichte Innsbrucks, und wo könnte neues kulturelles Leben entstehen?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt von Führungen, Stadtspaziergängen und einer Fahrradtour. Der Großteil der Touren endete im Wiltener Gewerbegebiet St. Bartlmä, das mit einem Kinderprogramm und als Ort des Abschlussfestes den zentralen Treffpunkt der diesjährigen Architekturtage bildete.

Programm Architekturtage 2024 Tirol