Besteckgriff um 1530/40
Knochen, geschnitzt Fundort Mustergasse 11
Die
Haushaltsführung war im Mittelalter
weitaus beschwerlicher als heute. Allerdings standen der bürgerlichen
Hausfrau Mägde zur Seite. Den Einkauf erledigte sie am Haller Wochenmarkt
oder in den Läden, die sich in den Erdgeschoßen der Häuser
befanden.
Einige Häuser in Hall verfügten über eigene Brunnen, die
anderen Haushalte bezogen ihr Wasser von den öffentlichen Brunnen.
Der
gedeckte Tisch
In den meisten Haushalten stand mitten auf dem Tisch eine Schüssel
mit dem üblichen Hirsebrei, aus der sich alle bedienten. Gäste
brachten ihr eigenes Besteck mit. Man aß mit Fingern, Löffeln
und Messern.
Dreizinkige Gabeln wurden erst im Barock
(17. – 18. Jahrhundert) allgemein üblich.
Holzlöffel konnte man auf den Haller
Märkten billig erwerben.
Trinkbecher mit Stachelnuppen,
ca. 2. Hälfte des 15. Jh., Glas, Fundort Unterer Stadtplatz 7a
Ein
typisches spätmittelalterliches Trinkglas der gut situierten Familie
war der so genannte Krautstrunk.
Die krautstrunkartigen Nuppen verhinderten, dass die teuren Gläser
aus der Hand glitten. Billiger waren Becher aus Holz (selten erhalten).
Außerdem gab es eine Vielfalt an importierten bzw. nach ausländischen
Vorbildern erzeugten Trinkgefäßen, wie Loschitzer, Waldenburger
oder Siegburger Becher.
Zur längeren Aufbewahrung eigneten sich vor allem Getreide, Rüben
und Sauerkraut – die Hauptbestandteile mittelalterlichen
Essens. Fleisch wurde gekocht, nur in seltenen Fällen gegrillt.
Meist verbesserte man mit kleinen Fleischstücken und Gemüse
den täglichen Getreidebrei. Für Festessen wurde Backwerk aus
Mürbteig und Lebkuchen hergestellt. Dafür verwendete man spezielle
Backformen (Gebäckmodel).
Dreibeintopf (Grapen), Keramik, A. 14. Jh. Fundort Salvatorasse 20
Die
Grundausstattung der Küchen änderte
sich im Laufe der Jahrhunderte wenig, die Küchentechnik jedoch sehr.
Jahrhunderte lang kochte man am offenen Feuer,
in das man z. B. standsichere dreibeinige Kochtöpfe stellte.
Im 16. Jahrhundert kam der gemauerte, geschlossene Herd auf. Bahnbrechend
für fast alle Bevölkerungsschichten war aber erst die Erfindung
des so genannten Josephinischen Sparherdes.
Durch Herausnehmen einzelner Eisenringe aus der Herdfläche passte
man die Öffnung dem verwendeten Geschirr an und hielt die Hitze.
In einem seitlich eingesetzten Behälter wurde gleichzeitig Wasser
erwärmt. Angepasst an die geänderte Technologie kamen auch neue
Typen von Kochgefäßen auf. So verlangte der geschlossene
Herd Töpfe und Pfannen mit flachen Böden.
Handspindel
Spinnen
und Nähen
Flachs und Wolle waren im Alpenraum die wichtigsten Rohstoffe für
die Herstellung von Textilien. Nach mühsamer Vorbereitung mussten
Tierhaare oder Pflanzenfasern zu Garn versponnen werden. Neben der Eigenproduktion
deckten Gewerbebetriebe den Bedarf an Kleidern und Haushaltswäsche.
Auch nach der Erfindung des Spinnrades bleib die Spindel
noch lange in Gebrauch, weil sie praktisch, billig und leicht transportierbar
war.
Eine Handspindel besteht aus nur zwei Teilen: dem
Spinnwirtel, der als Schwungmasse (c) dient, und dem Schaft
(b). Flachs oder Wolle (a)
siehe Abbildung
Genäht
wurde bis etwa 1850 ausschließlich händisch. Nähnadeln
aus Eisen waren schon bei den Kelten bekannt, Kupfernadeln bei den Griechen
und Römern gebräuchlich. Seit der Erfindung des Drahtziehens
(11./12. Jahrhundert) konnte man Metallnadeln aus Eisen- oder Messingdraht
in großen Mengen billig herstellen.
Mit dem Gebrauch der Nähnadel kam eine Schutzvorrichtung für
den Finger auf, welche beim Nähen den Druck auf das Nadelende ausübte
und das Abgleiten der Nadel verhinderte. Als noch überwiegend Nadeln
aus Knochen oder Horn verwendet wurden, gab es Nähringe aus Knochen,
Horn, aber auch aus Bronze. Beim Nähen mit Metallnadeln war die Verletzungsgefahr
größer, daher schloss man den Nähring zu dem noch heute
geläufigen Fingerhut.
Wäsche
waschen
Darüber fehlen Belege, weil die Arbeitsgeräte
aus Holz waren und daher nicht erhalten sind. Holz hat nur geringe Chance
die Jahrhunderte zu überdauern. Starkem Verschleiß ausgesetzt
endeten die unbrauchbar gewordenen Waschbretter nebst Wasserschaff schließlich
im Herdfeuer.