Nachttopf

Nachttopf, Keramik,  um 1460-70

Da solche Gefäße fast ausschließlich in Latrinengruben gefunden werden und außerdem Bildquellen ähnliche Gefäßformen in eindeutiger Funktion zeigen, kann man davon ausgehen, dass es sich um Nachttöpfe handelt.

Jene Nachttopf-Gruppe, die in der Burg Hasegg gefunden wurde, hebt sich formal etwas von jüngeren Formen ab. Erst jüngere Exemplare besitzen z. B. einen Ausguss (Ende 15./1. Hälfte 16. Jh.). Mit der vorläufigen Datierung des die Latrine überwölbenden Bauwerks in die Zeit vor etwa 1470 (Dendrodatierung Kurt Nicolussi, Innsbruck) ergibt sich auch die zeitliche Eingrenzung für diese Gefäße.

Vielleicht kamen sie in die Gruben, als man ihren Inhalt im Abort entsorgen wollte und dabei versehentlich das gesamte Gefäß versenkte. Selbst so einfache Objekte wie Nachttöpfe erzählen uns also eine ganze Menge über die spätmittelalterliche Lebensrealität.

Die Größen variieren relativ stark (vermutlich für Kinder oder Erwachsene). Ihr häufiges Auftreten im archäologischen Fundmaterial der Stadt lässt den Schluss zu, dass die Verwendung von Nachttöpfen in bürgerlichen Haushalten nichts Besonderes war.

Solche Töpfe dürften lokal in größeren Mengen produziert worden sein und um 1500 keinen besonderen Geldwert dargestellt haben. Wer es sich aber nicht leisten konnte, der konnte auf diese Bequemlichkeit wohl auch verzichten.

Im ländlichen Bereich Tirols finden sich solche Gefäße nur selten.

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